Ein Spruchband zum Derby

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(Bildquelle: No Dice Magazine)

Die BILD Zeitung titelt heute morgen „Union-Fans sagen Sorry!“ – nach dem beim Heimspiel von Union Berlin gegen Sandhausen dieses Spruchband – HERTHATREFF AM KNABENSTRICH – ALTE LIEBE ROSTET NICHT! – gezeigt wurde. Kuriose Quintessenz des Artikels: Der 1. FC Union entschuldigt sich – und beteuert im gleichen Atemzug, sich keiner Schuld bewusst zu sein. „Absurd“, so der Fanbeauftragte Lars Schnell, sei der Vorwurf, das Banner mit dem Slogan „Herthatreff am Knabenstrich – Alte Liebe rostet nicht!“ enthielte eine „homophobe oder pädophile Beleidigung“. Man habe damit den Derby-Gegner nur „provozieren“ wollen.

Abseits der spannenden Frage, was Herr Schnell sich unter einer „pädophilen Beleidigung“ vorstellt, verlagert Union das Problem einmal mehr weg von der eigenen Fanszene und erklärt es zu einem Problem/Wahrnehmungsfehler derjenigen, die sich durch ein solches Banner zu Recht diskriminiert fühlen. Diese seien, so Schnell, einem „Missverständnis“ aufgesessen, erkärt er hinsichtlich der Kritik der „Hertha-Junxx“ am Banner. Darum habe man diese nun zu einem Gespräch eingeladen.

Miteinander reden ist nie verkehrt – hier drängt sich allerdings der Eindruck auf, durch ein Gespräch in kleiner Runde und hinter verschlossenen Türen solle Luft rausgenommen, die Kritik ausgesessen und sich einer öffentlichen Positionierung entzogen werden. Darüber hinaus hat man bei Union offensichtlich nicht begriffen, dass mittels der als Herabwürdigung gemeinten Bezichtigung des Schwulseins bzw. der Knabenliebe nicht etwa der Stadtrivale diskriminiert wurde – und dessen Fans somit auch nicht (alleiniger) Adressat für eine Klärung sein können –, sondern vielmehr gleichgeschlechtlich lebende und liebende Menschen überall – ganz gleich welchem Club sie anhängen oder ob sie sich überhaupt für Fußball interessieren.

Lars Schnell verweist zu Recht darauf, Union habe sich wiederholt gegen Diskriminierung ausgesprochen. So eröffnete Präsident Dirk Zingler vor zwei Jahren den Berliner CSD und war auch Gastgeber der Veranstaltungsreihe „Auf den Rängen gibt’s kein Abseits.“ Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen verkommen aber zu Alibiveranstaltungen, wenn man im Stadionalltag regelmäßig zu homohoben Entgleisungen von den Rängen schweigt, wo man eigentlich die Stimme erheben müsste. Diese Chance hat Union Berlin leider wiederholt verpasst. Es kann nur besser werden.

Aktion Libero Artikel: Eine Frage der Haltung