Interview mit der Gruppe Timbers Army

Anfang Mai diesen Jahres erreichte uns ein Bild aus der Major League Soccer von dem Spiel der Portland Timbers gegen Chivas USA, darauf zu sehen war ein großes lilafarbenes Banner mit der Aufschrift „Football fans against Homophobia“. Fans der Portland Timbers fertigten ein perfektes Double des Orginal Banners an. Dazu gab es noch eine schicke Choreo. Wir sprachen mit einem Mitglied der Timbers Army wie es zu der Choreo kam, wie das Thema allgemein in den USA und im soccer gesehen wird.

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Fußballfans gegen Homophobie: Könnt ihr uns ein bisschen über eure Fangruppe erzählen? Wann wurde sie gegründet, wie viele Mitglieder habt ihr, was sind eure Ziele?
Timbers Army: Der Portland Timbers FC wurde 1975 in der NASL (in der auch Pele, Beckenbauer und Cruyff gespielt haben) gegründet, die heute jedoch nicht mehr existiert. Die Stadt hat den Verein sofort bereitwillig aufgenommen, es gab ein fanatisches Publikum und hat sich so als DIE Fußballstadt in den USA herauskristallisiert. Die NASL ging in den frühen 80ern pleite, aber die Liebe der Stadt für den Fußball blieb sehr groß. Nach einer kurzen Phase als Amateurverein kehrten die Timbers offiziell 2001 in die Zweite Liga zurück. Im Rahmen dieser Wiedergeburt entstand auch eine neue Fangruppe: Die „Timbers Army“. Es begann mit nur ein paar Typen, die auf Plastikeimern getrommelt haben und nun, 12 Jahre später, identifizieren sich an Spieltagen im ganzen Stadion etwa 7,000 Fans als Teil der „Timbers Army“.

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Unser Hauptziel ist es, unseren Einfluss im Stadion und auch in der Gemeinde zu erhöhen. Unsere Fankurve hat 5000 Plätze, doch unsere Stadt ist weitaus grösser und wir sehen diesen Club als eine Erweiterung der Gemeinde. Innerhalb des Stadions möchten wir eine Atmosphäre herstellen, die die Stadt in der wir leben, widerspiegelt. Wir möchten, dass sich in unserer Kurve Menschen willkommen fühlen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung. So lange du ins Stadion kommst um die Timbers anzufeuern und zu einer solchen Atmosphäre beitragen möchtest, bist du bei uns willkommen. Außerhalb des Stadions setzen wir uns auch für den Fußballsport in den unteren Ligen ein. Dies umfasst den Bau eines Platzes für Kinder (es sind bereits über $65,000 gesammelt), die Reparatur lokaler Fußballplätze, Training für Kinder und die Förderung örtlicher Jugend- und Schulprogramme.

Was war der Anlass die Choreographie gegen Homophobie durchzuführen?
Wir haben unsere Choreo im Vorfeld des “Internationalen Tages gegen Homophobie” durchgeführt. Als Gruppe sprechen wir uns gegen Rassismus und Homophobie aus und dachten dies wäre eine gute Möglichkeit zu versuchen auf unsere Art etwas zu verändern. Nach den Coming-outs von Jason Collins und Robbie Rogers ist das Thema natürlich großer Gesprächsstoff im amerikanischen Sport gewesen. Wir denken dass es für uns als Fans wichtig ist diese Gelegenheit zu nutzen, um alle Sportler wissen zu lassen, dass wir eine sichere Umgebung im Sport befürworten. Kein Athlet sollte solchen Schmähungen ausgesetzt sein und wir sehen es als unsere Pflicht an in unserem Stadion eine sichere Atmosphäre für Spieler und Fans zu schaffen.

Woher kanntet ihr die Kampagne “Fußballfans gegen Homophobie”?
Wir haben viele Fans, die während unserer Spielpausen europäische Clubs unterstützen. Clubs mit ähnlichen Idealen wie die Timbers. Das führt dazu, dass viele “Timbers Army” Mitglieder in Antifa-, Antira- und Anti-Homophobie Kampagnen aktiv sind. Als wir die Choreo geplant haben, dachten wir es wäre wichtig eine Verbindung zu anderen Fans weltweit herzustellen. Wir hoffen, dass wir durch unsere Aktion hier in den Staaten mehr Aufmerksamkeit für „Football Fans Against Homophobia“ erwirken konnten.

Wir habt ihr Euch als Gruppe für diese Aktion entschieden, was war der Prozess? Gab es auch Leute die dagegen waren und wenn ja, wie habt ihr diese überzeugt?
Es ist im allgemeinen Konsens, dass man als Mitglied der “Timerbs Army” Gleichberechtigung und gegen Homophobie im Stadion ist. Das macht es sehr einfach Choreos wie diese durchzuführen. Eine kleine Gruppe von Mitgliedern ist dafür zuständig das Material zu besorgen und ein Konzept auszuarbeiten. Dann gibt es Tausende, die sich an der Choreo selbst beteiligen. Da die Ziele und Ideale der Gruppe gut bekannt sind, machen die meisten Mitglieder nicht nur bereitwillig mit, sondern tun alles dafür um mit den Vorbereitungen zu helfen und sicherzustellen, dass die Choreo problemlos durchgeführt werden kann.

Wie hat der Club reagiert? Hattet ihr ihm vorher Bescheid gesagt?
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unserer Geschäftsstelle. Der Verein wird von uns im Voraus über die Choreos informiert und erlaubt uns Zutritt zum Stadion um diese vorzubereiten. Ohne die Fans wäre unser Club nichts und sie erkennen an, dass wir sehr aktiv sind. Der Club und die Liga unterstützen beide die „Don‘t Cross The Line“ Initiative, die für Einigkeit, Respekt, Fair Play, Gleichberechtigung und Akzeptanz in der ganzen Fußball Gemeinde wirbt.
http://www.mlssoccer.com/mlsworks/dontcrosstheline

Gab es zuvor in eurem Stadion homophobe Vorfälle?
Früher in der Saison wurde ein San Jose Spieler, Alan Gordon, von einer Fernsehkamera dabei beobachtet, wie er unseren Kapitän Will Johnson homophob beschimpfte. “Hate-speech” zieht in unserer Liga eine Sperre nach sich, normalerweise von drei Spielen Länge. Unser beliebter Kapitän, Will Johnson, reagierte auf die Beschimpfung, indem er drei Finger hochhielt und Gordan zurief: „Drei Spiele!“ (der Vorfall ist hier bei Youtube zu sehen: http://youtu.be/e4WrNp-TwbE). Wir hoffen, dass alle Spieler unseres Clubs unsere Ideale unterstützen. Jeder Fan, der im Stadion bei homophoben Schmähungen erwischt wird wird über die Folgen diskriminierenden Verhaltens aufgeklärt und es wird ihm untersagt so etwas zu wiederholen. Wiederholte Schmähungen ziehen Betretungsverbot für die Fankurve bzw. das Stadion nach sich.

Gibt es bei Euch öfter Choreos mit einer antidiskriminierenden Botschaft?

Wir haben in der Vergangenheit viele Choeos gegen Rassismus durchgeführt. Viele dieser um die „Zeig Rassismus die Rote Karte“ Kampagne zu unterstützen. Seit Jahren sieht man Antifa und Antira Banner und Fahnen in unserem Stadion. Man sieht auch einige Gaypride Fahnen und Banner überall in unserer Fankurve. Es gibt in Portland viele Fans, die denken, dass es wichtig ist unsere politischen Vorstellungen auch im Fußball zu verbreiten. Einer der größten Unterschiede zwischen dem Portland Timbers FC und vielen anderen Vereinen in den USA ist, dass es hier eine starke Verbindung zur lokalen Gemeinde gibt. Unsere Fans leben und atmen den Club und das führt zu einer ganz natürlichen Vermischung zwischen Fußball und sozialen Überzeugungen.

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Die “Timbers Army” Mitglieder haben auch an der diesjährigen Gaypride Parade teilgenommen:

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Gibt es viele Choreos gegen Diskriminierung von US-Amerikanischen Fangruppen?
Viele Gruppen unterstützen den Kampf gegen Diskriminierung und haben in der Vergangenheit Choreos gegen Rassismus oder Banner gegen Homophobie gehabt, die wenigsten allerdings in solch großem Umfang. Dies war einer der Gründe warum wir dachten, dass unsere Choreo einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Auch viele Clubs selbst unterstützen die liga-weiten Initiativen gegen Homophobie und Rassismus.
Einige Beispiele für anti-diskriminierende Choreos bei anderen Clubs findet ihr hier:

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Section 8 Chicago

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Cauldron KC

Was für Reaktionen habt ihr von anderen Fangruppen bekommen?
Die Reaktionen von anderen Fangruppen waren überwältigend positive. Aufgrund des Datums der Ansetzung unseres Spieles waren wir eine der ersten Gruppen, die zum diesjährigen „Internationalen Tag gegen Homophobie“ eine Choreographie durchgeführt haben. Die Reaktion der Liga war ebenfalls sehr positiv, unserer Choreo wurde einiges an Platz auf ihrer Homepage eingeräumt, was zu einer großen Debatte und Sensibilisierung geführt hat.

Wie wird Homosexualität im US Fussball wahrgenommen? Gibt es eine andere Wahrnehmung im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen?
In vielen Teilen der Welt ist Fußball die führende Sportart, während hier in den USA Kinder so erzogen werden, das sie viele verschiedene Sportarten ausüben. Es gab hier in den USA lange das Vorurteil, dass Fußball ein “unmännlicherer” Sport wäre, als zum Beispiel American Football. Die Fußballgemeinde hierzulande ist weniger Testosteron gesteuert als in vielen anderen Sportarten, was eventuell dazu führt, dass ein größeres Verständnis für das Thema vorhanden ist. Dass die Fußballgemeinde hierzulande vergleichsweise eng verbunden ist, macht es natürlich etwas einfacher bei solchen Themen einen ähnlichen Standpunkt zu vertreten. Wir sehen langsam auch Veränderungen im American Football, aber es ist nach wie vor schwierig sich dort, in einer Umgebung die sehr auf einer Machoathmosphäre beruht, eine solch weitverbreitete Akzeptanz für Homosexualität wie in der Major League Soccer vorzustellen. (Ein Interview mit einem Mitglied der Timbers Army)