Archiv für Februar 2013

Die schönste Nebensache der Welt – Damenfußball in Deutschland

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Die schönste Nebensache der Welt – Damenfußball in Deutschland

Film und Diskussionsabend mit Tanja Bubbel und Almut Sülzle

Das öffentliche Bild vom Frauenfußball ist von einer sexistischen Grundhaltung geprägt: Er wird allgemein als langsamer, weniger physisch, technisch anspruchsloser und somit weniger attraktiv im Vergleich zum Männerfußball beschrieben. Hier greifen die Mechanismen von Sexismus, d.h. der Diskriminierung auf Grund von Geschlecht, doppelt: zum einen in der Unterscheidung von „Frauenfußball“ gegenüber “normalem” (Männer-)Fußball, zum anderen in der Darstellung von Frauen als weniger begabt. Im aktiven Spiel wie auch im Vereinswesen und in der Fanszene ist das Männliche dominant und gilt als Norm schlechthin. Fußball, der deutsche Nationalsport, spiegelt damit häufige die gesellschaftliche Geschlechterhierarchie wieder.

Die Dokumentation „Die schönste Nebensache der Welt“ von Tanja Bubbel erzählt die ersten vier Jahrzehnte des Frauenfußballs in Deutschland. „Damenfußball“, wie es zunächst in den fünfziger Jahren hieß, galt als „unästhetisch“ und zu gefährlich für Frauen. 1955 verbot der Deutsche Fußball-Bund seinen Mitgliedsvereinen die Führung von Damenfußball-Vereinen und das Überlassen von Plätzen und Sporteinrichtungen. Doch die fußballbegeisterten Frauen, die insbesondere nach 1954 den „Helden von Bern“ nacheifern wollten, ließen sich nicht entmutigen und bestritten selbstorganisierte, inoffizielle Länderspiele vor großem Publikum. Erst 1970 wurde Frauenfußball offiziell vom DFB zugelassen.

Nach der Vorführung der Dokumentation wird es eine Diskussionsrunde zum Thema geben, an der neben der Regisseurin Tanja Bubbel auch die Kulturanthropologin Almut Sülzle sowie Vertreterinnen und Vertreter von SOCCER SOUND (LSVD Berlin-Brandenburg e.V.), DFC Kreuzberg, Tennis Borussia Berlin, Türkiyemspor Berlin sowie von der Initiative „Fußballfans gegen Homophobie“ teilnehmen.

Wann: 07.03.2013
Uhrzeit: 19:00
Wo: Tristeza | Pannierstr. 5 | 12047 Berlin

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19.02.2012 | Fortuna Köln

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5 X 800 EURO GEGEN HOMOPHOBIE – IDAHO 2013

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Bewerbt euch! In diesem Jahr werden Einreichungen, die sich mit dem Thema „Homophobie im Fußball“ beschäftigen, bevorzugt unterstützt. Unterstützt wird das ganze von „Fußballfans gegen Homophobie“ und Queer Football fanclubs.
*Einsendeschluss für die formlose Bewerbung (Projektbeschreibung, Finanzplan, Aussage zu euren Bildungszielen) ist der 31. März: Ausschließlich digital an idaho@mh-stiftung.de
Mehr Infos unter: http://www.blu.fm/subsites/detail.php?kat=Gesellschaft&id=6777#.USnOfFdZh-w

„Fußballfans gegen Homophobie“ wird ausgezeichnet

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Pressemitteilung

Initiative „Fußballfans gegen Homophobie“ wird ausgezeichnet
4.000 Euro Preisgeld für Faninitiative gegen Homophobie im Fußball

Die Faninitiative „Fußballfans gegen Homophobie“, die im Sommer 2011 von Fans des Berliner Fußballvereins Tennis Borussia ins Leben gerufen wurde, wird zusammen mit anderen Initiativen im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ für ihr bundesweites Engagement gegen Homophobie im Fußball mit einem Preisgeld von 4.000 Euro ausgezeichnet. Insgesamt 344 Vereine und Initiativen aus ganz Deutschland hatten sich bei dem Wettbewerb des Bündnisses für Demokratie und Toleranz beworben.

„Fußballfans gegen Homophobie“ ist ein bundesweites Netzwerk von Fußballfans aus mittlerweile über 30 Fanszenen und geht auf die Abteilung Aktive Fans des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin in Kooperation mit dem Projekt „SOCCER SOUND“ des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg zurück. Die Aktion startete im Juni 2011 bei den Respect Gaymes in Berlin mit einem großen lilafarbenen Stadionbanner mit der Aufschrift „Fußballfans gegen Homophobie“ und wandert seitdem von der Freizeitliga bis zur 1. Bundesliga durch Deutschlands Stadien und Sportplätze, um ein Zeichen gegen Homophobie im Fußball zu setzen. Begleitet wird die Aktion durch meist von den einzelnen Fanszenen selbst entwickelten und organisierten Informations- und Bildungsveranstaltungen sowie thematischen Flugblättern.

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(Quelle: ZDF Videotext)

Hertha Junxx

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Quelle: Hertha Junxx Facebookseite

FfgH jetzt auch bei www.bauchfrei-mailorder.de

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Unsere Shirts könnt ihr jetzt auch in den Farben lila/weiß und schwarz/pink bei bauchfrei mailorder für 12€ bestellen.
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Vielen Dank für die Unterstützung
Das FfgH-Team

Trotz heftigen Gegenwinds!

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Aus dem LSVD Blog

„Berlin ohne Türkiyemspor ist wie Wurst ohne Curry“

Bündnis mit LSVD Berlin-Brandenburg

Ein Fußballverein mit türkischem Namen schreibt sich den Kampf gegen Homophobie auf die Fahnen?! Rassistische Vorfälle in Fußballstadien werden von Lesben und Schwulen protokolliert?! Der Schulterschluss zwischen dem LSVD Berlin-Brandenburg und dem Kreuzberger Türkiyemspor zeigt, dass ein besseres Zusammenleben möglich ist. Seit fünf Jahren kämpfen wir gemeinsam gegen Vorurteile. Trotz heftigen Gegenwinds.

Denn manche Mitglieder zeigten sich nicht begeistert, als sich ihr Türkiyemspor öffentlich zur Akzeptanz von Lesben und Schwulen bekannte. Viele Fußballfans waren empört, dass sich der LSVD mit einem „Migrantenverein“ solidarisierte und die alltäglichen Anfeindungen gegen die Mannschaft kritisierte. Doch eine gemeinsame Erfahrung von Ausgrenzung und Benachteiligung im Sport wie in der Gesellschaft schweißt auch zusammen.

So kicken die Spielerinnen und Spieler bei unseren Respect Gaymes auch gegen Lesben und Schwule, aber für deren Anerkennung. Denn nur auf dem Feld spielt man gegeneinander. Sonst organisierten wir gemeinsame Veranstaltungen und gestalteten Plakatkampagnen für mehr Akzeptanz. Türkiyemspor ist Gründungsmitglied unseres Bündnisses gegen Homophobie.

Aus der Vielzahl der Begegnungen ist eine vertrauensvolle und starke Partnerschaft geworden. Ebenso viele Mitglieder wie Türkiyemspor zu Beginn seines Engagements gegen Homophobie verlor, gewann der Fußballverein wieder hinzu. Ich bin inzwischen sogar Mitglied im Aufsichtsrat. Das Engagement wurde mit der „Berliner Tulpe für den deutsch-türkischen Gemeinsinn“ und dem Integrationspreis des Deutschen Fußballbunds ausgezeichnet.

Derzeit kämpft Kreuzbergs Liebling mit der Insolvenz. Ehrensache, dass wir an dem Turnier zur Rettung des Vereins teilgenommen haben und die Spendenkampagne unterstützen. Es wird sich einmal mehr zeigen – gemeinsam geht es besser.

Jörg Steinert
LSVD Berlin-Brandenburg

Der Fall Halil Ibrahim Dincdag

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(Halil Ibrahim Dincdag – mitte -)

Fußball ist nur schön, wenn LGBTQ Menschen nicht ausgeschlossen werden!!!
Für die Wiedereinstellung von Halil Ibrahim Dincdag als Schiedsrichter in der Türkei!!!

Wir verfolgen sehr besorgt den Kampf des türkischen Schiedsrichters Halil Ibrahim Dincdag für die Rechte der Homosexuellen in der Türkei . Der Schiedsrichter Halil Ibrahim Dincdag verlor seinen Beruf im Jahr 2009, weil der türkische Fußballverband ihn wegen seiner Homosexualität aus jeglichem Bereich des Fußballs ausschloss. Seitdem ist er arbeitslos und ist Hauptankläger in einem Gerichtsverfahren gegen den türkischen Fußballverband, um wieder als Schiedsrichter pfeifen zu können.

In der Türkei werden LGBTQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer) Menschen massiv unterdrückt. Die Diskussionen über eine neue Verfassung laufen ohne die Tatsache zu akzeptieren, dass in der Türkei LGBTQ Menschen leben und ihre Rechte gesetzlich verankert werden müssen. Im Jahr 2012 wurden laut dem Bericht von KAOS GL sechs Trans-Menschen und fünf Homosexuelle ermordet. Es fanden einige Lynchversuche statt, unzählige Gewalttaten gegen LGBTQ Menschen blieben im Dunkeln. LGBTQ Menschen verlieren sehr schnell ihre Arbeit, wenn sie sich zur ihren Sexualität bekennen. Daher sind viele LGBTQ Menschen zur Sexarbeit gezwungen, um überhaupt zu leben.

Bisher hat sich kein Fußballer oder Schiedsrichter in der Türkei als Homosexueller geoutet, außer Halil Ibrahim Dincdag. Er versucht, wieder als aktiver Schiedsrichter zu pfeiffen, indem es ihm möglich gemacht wird, können sehr viele Menschen ihre Arbeit unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung ausüben, wenn ein gerichtliches Urteil ausgesprochen wird und es eine breite Solidarität gibt. Das ist der Kern der gesellschaftlichen Bedeutung seines Kampfes um diese Rechte. Der aktuelle Bericht der Kommission der Istanbuler Stadtverwaltung spricht sogar von einer groben Menschenrechtsverletzung in Halil Ibrahims Dincdags Fall.

Das Fußballspiel wird auf dem Feld entschieden. Wir lehnen es ab, das Fußballspiel vorab an dem grünen Tisch zu entscheiden und über die Ausschließung von LGBTQ Menschen aus dem Fußballspiel zu entscheiden. Jeder Mensch darf Fußball spielen, egal welche Sprache, Religion, sexuelle Orientierung. Das Einziges, was zählt, ist die Leistung auf dem Fußballfeld. Am 19. Februar ist der nächste Gerichtstermin von Halil Ibrahim Dincdag, welcher zu einem Urteil führen kann.

Wir fordern daher:

Sofortige Wiedereinstellung Halil Ibrahim Dincdags als Schiedsrichter!!!
Aufhebung aller Einschränkungen gegenüber LGBTQ Menschen in der Türkei, besonders in der Arbeitswelt!!!
Verankerung der Rechte von LGBTQ in der Verfassung!!!

Unterstützt den Aufruf!

Ein Spruchband zum Derby

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(Bildquelle: No Dice Magazine)

Die BILD Zeitung titelt heute morgen „Union-Fans sagen Sorry!“ – nach dem beim Heimspiel von Union Berlin gegen Sandhausen dieses Spruchband – HERTHATREFF AM KNABENSTRICH – ALTE LIEBE ROSTET NICHT! – gezeigt wurde. Kuriose Quintessenz des Artikels: Der 1. FC Union entschuldigt sich – und beteuert im gleichen Atemzug, sich keiner Schuld bewusst zu sein. „Absurd“, so der Fanbeauftragte Lars Schnell, sei der Vorwurf, das Banner mit dem Slogan „Herthatreff am Knabenstrich – Alte Liebe rostet nicht!“ enthielte eine „homophobe oder pädophile Beleidigung“. Man habe damit den Derby-Gegner nur „provozieren“ wollen.

Abseits der spannenden Frage, was Herr Schnell sich unter einer „pädophilen Beleidigung“ vorstellt, verlagert Union das Problem einmal mehr weg von der eigenen Fanszene und erklärt es zu einem Problem/Wahrnehmungsfehler derjenigen, die sich durch ein solches Banner zu Recht diskriminiert fühlen. Diese seien, so Schnell, einem „Missverständnis“ aufgesessen, erkärt er hinsichtlich der Kritik der „Hertha-Junxx“ am Banner. Darum habe man diese nun zu einem Gespräch eingeladen.

Miteinander reden ist nie verkehrt – hier drängt sich allerdings der Eindruck auf, durch ein Gespräch in kleiner Runde und hinter verschlossenen Türen solle Luft rausgenommen, die Kritik ausgesessen und sich einer öffentlichen Positionierung entzogen werden. Darüber hinaus hat man bei Union offensichtlich nicht begriffen, dass mittels der als Herabwürdigung gemeinten Bezichtigung des Schwulseins bzw. der Knabenliebe nicht etwa der Stadtrivale diskriminiert wurde – und dessen Fans somit auch nicht (alleiniger) Adressat für eine Klärung sein können –, sondern vielmehr gleichgeschlechtlich lebende und liebende Menschen überall – ganz gleich welchem Club sie anhängen oder ob sie sich überhaupt für Fußball interessieren.

Lars Schnell verweist zu Recht darauf, Union habe sich wiederholt gegen Diskriminierung ausgesprochen. So eröffnete Präsident Dirk Zingler vor zwei Jahren den Berliner CSD und war auch Gastgeber der Veranstaltungsreihe „Auf den Rängen gibt’s kein Abseits.“ Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen verkommen aber zu Alibiveranstaltungen, wenn man im Stadionalltag regelmäßig zu homohoben Entgleisungen von den Rängen schweigt, wo man eigentlich die Stimme erheben müsste. Diese Chance hat Union Berlin leider wiederholt verpasst. Es kann nur besser werden.

Aktion Libero Artikel: Eine Frage der Haltung